Karl Kraus vom Gymnasium Marktoberdorf etwa präsentierte in Schongau einen Primzahlengenerator beim Wettbewerb „Schüler experimentieren“. Der Elfjährige entwickelte zwei Computerprogramme, mit denen er die nur durch eins und sich selbst teilbaren Zahlen ermitteln kann. „Beim einen funktionert das durch Teilbarkeit, beim anderen nach dem Prinzip vom Sieb des Eratosthenes“, erklärt das junge Thalhofener Mathetalent. Eratosthenes von Kyrene war ein griechischer Mathematiker, der einen Algorithmus zur Bestimmung einer Liste und Tabelle aller Primzahlen kleiner oder gleich einer vorgegebenen Zahl entwickelte. Wie Karl auf sein Projekt kam? „Wir haben in der Schule über Primzahlen gesprochen, und die haben mich so fasziniert, dass ich zuhause das Programm geschrieben habe.“ Sein Physiklehrer Ulrich Neumann brachte ihn schließlich zum Wettbewerb.
Ein teures aber gewinnbringendes Spielzeug haben sich Felix Jankowski und Sebastian Weihele gebastelt. Die beiden 17-jährigen Gymnasiasten steuern ein Modellfahrzeug mit zwei Mobiltelefonen. Auch Rettungsroboter könnten so ohne Reichweitenprobleme bedient werden. Diese Entwicklung brachte ihnen den Sieg bei „Jugend forscht“ im Arbeitsbereich Technik. Auf Dauer jedoch kann diese Art der Steuerung ganz schön ins Geld gehen. „Eigentlich funktioniert es im Moment nur mit einer Handyflatrate. Allein gestern haben wir mit normalem Tarif 40 Euro drauf gefahren“, gesteht Felix lächelnd. Damit sich der ferngesteuerte gelbe Jeep nämlich bewegt, muss das Handy auf seiner Ladefläche von dem, das an Felix' Computer hängt, angerufen werden. Die Elektronik hat Felix selbst entwickelt, und auch das passende Computerprogramm hat der Marktoberdorfer Tüftler geschrieben. Für ihn sei das kein Problem, immerhin betreibe er ja neben der Schule bereits seine eigene kleine Computerfirma: Felix Janjowski IT Solutions. Nur mit dem Modellbauen hatte er es nicht so: „Mir fehlten die Teile, und ich wusste nicht, wie man so ein Auto fährt.“ Da kam Sebastian ins Spiel. Der Unterthingauer baut seit der Grundschule Modellautos, -flugzeuge und ähnliches.
Crackdiesel stand gestern beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ groß über dem Stand von Robert Reiser (16 Jahre) aus Bernbeuren und Johannes Buch (14) aus Steingaden. Nein, das ist keine Droge. Sondern nur „gecrackter“ Diesel, sprich Kraftstoff, dessen Moleküle in kleinere Bausteine zerlegt wurden. „Dadurch kann sich der Diesel leichter mit Luft vermischen. Er brennt dann besser, das bedeutet weniger Rußausstoß, und die Energieausbeute ist höher“, erklärt Robert seine Alternative zum Rußpartikelfilter. „Wir haben das auch schon in Motoren getestet, und es funktioniert gut“, fügt Johannes an. Die beiden kamen durch die „zunehmende Feinstaubbelastung und den hohen Abgasausstoß“ von Kraftfahrzeugen auf ihre Idee. Der veränderte Kraftstoff wäre auch für Ölheizungen geeignet. „Die bräuchten auf diese Weise weniger Heizöl.“
Um das Klima zu schützen, sollte der Einzelne nicht so viel Strom aus dem Netz holen. Das hat Felix Feneberg aus Notzen bei Wiggensbach im Internet gelesen. „Da hatte ich die Idee, einen solarbetriebenen Ventilator zu entwickeln“, erzählt der Neunjährige. Bei der Umsetzung kam Martin Kott (10 Jahre) aus Obergünzburg ins Spiel. „Er hat mir sehr geholfen. Ohne ihn gäbe es das Projekt nicht“, lobt Felix seinen Partner. Die beiden Buben kennen sich über die Hochbegabtenförderung Bayerisch Schwaben. Ihr Ventilator läuft nicht nur mit Sonnenenergie, sondern hat außerdem noch einen temperaturabhängigen Schaltmechanismus. Das heißt: Er beginnt bei einer bestimmten Temperatur von selbst zu rotieren. Damit ihm der Strom nicht ausgeht, wenn die Sonne fehlt, haben Martin und Felix einen Akku eingebaut. „Der speichert immer ein Drittel des produzierten Stroms“, erklärt Martin.
Ist der Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ vorbei, stellt Jonas Prohaska sein Projekt der Physikfachschaft des Marktoberdorfer Gymnasiums zur Verfügung. Mit dem Windkanal des 19-Jährigen können nachfolgende Schüler dann die Strömungslehre praktisch erleben. Auf die Idee für sein Projekt kam Jonas, als er nach einem Thema für seine Facharbeit suchte. „Ich habe im Internet eine Skizze für einen Windkanal aus Holz gesehen und eine verbesserte Variante davon gebaut“, erzählt der Gymnasiast. Damit kann er zum Beispiel die Strömungslinie eines Fahrzeugs darstellen, die Druckverteilung auf der Karosserie, die Strömungsgeschwindigkeit und den Luftwiderstand messen sowie daraus den Strömungswiderstandskoeffizienten bestimmen. Für den Nebel im Windkanal holte er kurzfristig seinen Schulkameraden Martin Becker aus Biessenhofen mit ins Boot. „Durch den Nebel lassen sich Luftverwirbelungen noch besser darstellen“, sagt Jonas.
Aus:
Allgäuer Zeitung v. 08.03.2007
http://www.all-in.de/nachrichten/allgaeu/marktoberdorf/Marktoberdorf-keylok-jugend-forscht;art2762,103189

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